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Oberflächenspannung erklärt

Abbildung 1: Die hohe Oberflächenspannung von Wasser ist der Grund, warum ein Wasserläufer nicht untergeht.

Abbildung 1: Die hohe Oberflächenspannung von Wasser ist der Grund, warum ein Wasserläufer nicht untergeht.

Die Grenz- und Oberflächenspannung einer Flüssigkeit lässt Rückschlüsse darauf zu, wie gut die Flüssigkeit auf einem Festkörper spreitet oder sich mit einer anderen Flüssigkeit vermischt. Sie kann sowohl optisch als auch kraftbasiert gemessen werden. Besonders niedrige Grenzflächenspannungen können mit der Spinning-Drop-Methode bestimmt werden.

Was sind Grenz- und Oberflächenspannung?

Bei Flüssigkeiten kann die Grenzflächenspannung der Grenzflächenenergie gleichgesetzt werden. Bei Festkörpern ist dies nicht möglich. Der Begriff Grenzflächenspannung bezieht sich auf die Grenzfläche zwischen zwei Flüssigkeiten. Die Oberflächenspannung bezieht sich auf die Wechselwirkungen zwischen einer flüssigen und einer gasförmigen Phase. Ein Beispiel ist die Oberflächenspannung von Wasser gegen Luft. Die Oberflächenspannung hat das Formelzeichen σ und wird in N/m angegeben.

Flüssigkeiten streben immer eine Verkleinerung der Grenzfläche an. Ein Beispiel ist ein Wassertropfen in Luft: dieser formt sich am liebsten zu einer Kugel, denn eine Kugel hat die kleinstmögliche Kontaktfläche zur Umgebungsluft. Als äußere Kraft wirkt die Gravitation auf diese Kugel, weshalb sich die typische Tropfenform von Flüssigkeiten ausbildet.

Welche Auswirkungen hat die Oberflächenspannung?

In der praktischen Anwendung erlaubt die Ermittlung der Oberflächenspannung, wie Flüssigkeiten einen Feststoff benetzten, wie sie sich mit einer anderen Flüssigkeit vermischen und wie sie sich gegen ein Gas verhalten. Tendenziell gilt: je höher die Oberflächenspannung, desto höher sind die Wechselwirkungen der Teile einer Phase miteinander. Das bedeutet, dass Flüssigkeiten mit höherer Oberflächenspannung weniger geneigt sind, sich mit einer anderen Phase zu vermischen.

Ein Beispiel: Die Oberflächenspannung von Wasser (gegen Luft) beträgt 72,8 mN/m bei 20 °C und ist damit relativ hoch. Die Oberflächenspannung ist der Grund, warum sich auf einer Wasseroberfläche eine Art Haut bildet. Deshalb schwimmt etwa eine Büroklammer auf der Wasseroberfläche und ein Wasserläufer kann auf dem Wasser laufen. Öl hingegen hat eine Oberflächenspannung von nur circa 35 mN/m – deshalb spreitet Öl leicht auf einer Oberfläche bzw. benetzt diese leichter. Diese Eigenschaft wird z.B. in sogenannten Kriechölen ausgenutzt.

Praktische Anwendungen für die Bestimmung der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten

In der Chemie und Materialwissenschaft ist die Messung der Oberflächenspannung wichtig, um das Verhalten von Flüssigkeiten auf Oberflächen zu verstehen. Dies ist zum Beispiel relevant bei der Entwicklung von Beschichtungen und Farben. Eine niedrige Oberflächenspannung kann dazu führen, dass Flüssigkeiten sich leicht auf Oberflächen ausbreiten und eine gleichmäßige Beschichtung bilden, während eine hohe Oberflächenspannung zu ungleichmäßiger Benetzung führen kann.

In der Lebensmittelindustrie ist die Messung der Oberflächenspannung wichtig, um die Qualität von Lebensmitteln zu gewährleisten. Eine zu hohe Oberflächenspannung kann dazu führen, dass Flüssigkeiten nicht gut in Lebensmittelstrukturen eindringen, was zu einer geringeren Geschmacks- und Aromaaufnahme führt. Die richtige Oberflächenspannung ist auch wichtig für die Bildung von Emulsionen und Schäumen.

In der Umweltwissenschaft ist die Messung der Oberflächenspannung wichtig, um das Verhalten von Flüssigkeiten in der Umwelt zu verstehen. Dies kann beispielsweise bei der Untersuchung von Ölverschmutzungen in Gewässern oder bei der Entwicklung von umweltfreundlichen Reinigungsmitteln von Bedeutung sein.

Die Messung der Oberflächenspannung ist auch in der Pharmazie von großer Bedeutung. Die Oberflächenspannung kann die Adsorption und Freisetzung von Arzneimitteln beeinflussen.

Messmethoden zur Ermittlung der Oberflächenspannung

Grenz- und Oberflächenspannungen können mit Hilfe eines kraftbasierten Tensiometers gemessen werden. Gängige Methoden zur Messung von Oberflächen- und Grenzflächenspannungen sind die Wilhelmy-Platten-Methode und die Du-Noüy-Ring-Methode.

Die Ober- und Grenzflächenspannung von Flüssigkeiten kann ebenfalls mit Hilfe eines optischen Kontaktwinkelmessgerätes bestimmt werden. Hierbei wird ein Tropfen gemessen, der am Ende der Dosiernadel hängt. Dieses Verfahren wird als Pendant-Drop-Methode (hängender Tropfen) bezeichnet.

Sollen sehr niedrige Grenzflächenspannungen zwischen zwei Flüssigkeiten gemessen werden, ist ein Spinning-Drop-Tensiometer das Messgerät der Wahl. Die Spinning-Drop-Methode beruht auf der optischen Konturauswertung eines rotierenden Tropfens.

Häufig gestellte Fragen zur Oberflächenspannung

  • Was ist Oberflächenspannung?

    Die Oberflächenspannung ist die Kraft pro Längeneinheit — oder gleichwertig die Energie pro Flächeneinheit — die an der Oberfläche einer Flüssigkeit wirkt. Sie entsteht, weil Moleküle an der Flüssig-Gas-Grenzfläche ein Ungleichgewicht der Kohäsionskräfte erfahren im Vergleich zu Molekülen im Inneren der Flüssigkeit. Dadurch zieht sich die Oberfläche auf die kleinstmögliche Fläche zusammen. Die Oberflächenspannung wird mit σ bezeichnet und in N/m oder mN/m angegeben.

  • In welcher Einheit wird Oberflächenspannung angegeben?

    Die SI-Einheit der Oberflächenspannung ist Newton pro Meter (N/m). In der Praxis wird am häufigsten Millinewton pro Meter (mN/m) verwendet, da typische Flüssigkeiten Oberflächenspannungen im Bereich von 20–80 mN/m aufweisen. Eine äquivalente Einheit ist Millijoule pro Quadratmeter (mJ/m²), was die Interpretation als Energie pro Fläche widerspiegelt.

  • Wie hoch ist die Oberflächenspannung von Wasser?

    Die Oberflächenspannung von Wasser gegen Luft beträgt 72,8 mN/m bei 20 °C. Dieser vergleichsweise hohe Wert resultiert aus den starken Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Wassermolekülen. Die Oberflächenspannung nimmt mit steigender Temperatur ab und wird durch Tenside stark reduziert, die an der Wasser-Luft-Grenzfläche adsorbieren und das Wasserstoffbrückenbindungsnetzwerk stören.

  • Was ist der Unterschied zwischen Oberflächenspannung und Grenzflächenspannung?

    Oberflächenspannung bezeichnet die Spannung an der Grenzfläche zwischen einer Flüssigkeit und einem Gas (typischerweise Luft). Grenzflächenspannung ist der übergeordnete Begriff für die Spannung an einer beliebigen Grenzfläche zwischen zwei nicht mischbaren Phasen — häufig zwei Flüssigkeiten wie Wasser und Öl. Beide werden in N/m gemessen und spiegeln die Überschussenergie an der Grenzfläche wider, wobei Flüssigkeit-Flüssigkeit-Grenzflächenspannungen in der Regel niedriger sind als die Oberflächenspannung der einzelnen Flüssigkeiten.

  • Wie wird Oberflächenspannung gemessen?

    Die gebräuchlichsten Methoden sind die Wilhelmy-Platten-Methode (eine dünne Platte wird eingetaucht und die Benetzungskraft gemessen), die Du-Noüy-Ring-Methode (ein Ring wird bis zum Abriss durch die Oberfläche gezogen) und die Pendant-Drop-Methode (die Form eines hängenden Tropfens wird optisch ausgewertet). Kraftbasierte Messungen werden mit einem Tensiometer wie der DCAT-Serie von DataPhysics Instruments durchgeführt; optische Messungen mit einem Kontaktwinkelmessgerät wie der OCA-Serie.

  • Welche Faktoren beeinflussen die Oberflächenspannung?

    Die Oberflächenspannung wird hauptsächlich beeinflusst durch Temperatur (sie nimmt mit steigender Temperatur ab), chemische Zusammensetzung (polare Flüssigkeiten haben eine höhere Oberflächenspannung als unpolare), gelöste Stoffe (Tenside reduzieren die Oberflächenspannung stark; Elektrolyte können sie leicht erhöhen) sowie die Art der angrenzenden Phase (der Wert gegen Luft unterscheidet sich von der Grenzflächenspannung gegen eine andere Flüssigkeit).